Die nächste Grabstätte, der wir unsere Aufmerksamkeit schenken, befindet sich nur wenige Schritte von unserem letzten Halt entfernt. Nahe dem Talweg erleichtert eine hochaufragende Birke das Finden der in Sandstein gehauenen, schlichten Grabtafel des Malers und Grafikers Karl Hennemann. Als Sohn eines Tiefbauingenieurs wurde er am 24. August 1884 in Waren geboren. Schon 1887 siedelte die Familie nach Schwerin um, der Vater folgte einer Berufung der damaligen Landesregierung.
Karl besuchte in Schwerin das Gymnasium und schon zu dieser Zeit traten seine künstlerischen Neigungen zu Tage. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Hamburg nahm Hennemann sein Studium an der Kunstschule Berlin auf. Die nächste Station auf seinem Weg in die Selbstständigkeit war die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin-Charlottenburg, an die sich ein Studium an der Akademie in München anschloss. Als freischaffender Künstler wählte Karl Hennemann 1912 Berlin zum Wohnsitz. Seine Verbindungen mit Schwerin rissen jedoch nie ganz ab. Als im September 1943 das Berliner Atelier bei einem Bombenangriff völlig zerstört wurde, kehrte Hennemann nach Schwerin zurück und bewohnte fortan zusammen mit seinem Bruder Hans das Haus in der Schelfstraße 28. Hier starb er am 20. März 1972.
Karl Hennemanns Schaffen fasziniert durch lebensvolle Landschaftsgestaltung und offenbart zugleich intensive Naturverbundenheit. Mit Meisterschaft gestaltete er detailgetreue wogende Kornfelder, blühende Wiesen und Wegränder mit kahlen Birken und knorrigen Eichen. Immer wieder erscheint wild zerzaustes Schilfrohr an romantischen Seebuchten. Anspruchsvolle Sujets werden in der von Hennemann bevorzugten Form des Holzstichs und Holzschnitts zu ausdrucksstarken typisch mecklenburgischen Bildkompositionen. Zwischenzeitlich wendet sich der Künstler immer wieder dem Ölbild und dem Aquarell zu. Das Staatliche Museum Schwerin vereinigt in seinem Fundus eine große Anzahl hennemannscher Arbeiten der unterschiedlichen Genres.