Architekt Hermann Willebrand

Er prägt mit seinen Bauten das Schweriner Stadtbild bis heute

Nach den beiden zuletzt aufgesuchten Gräbern lenken wir nun unseren Blick auf die Anhöhe in Richtung der kleinen gotischen Kapelle. Dort erkennen wir unschwer ein hoch aufragendes, schmiedeeisernes Grabkreuz auf einem massiven Sandsteinsockel. Es markiert die Grabstelle des Architekten Herrmann Willebrand. Auch dieser Grabstelle wäre beinahe das Los vieler anderer beschieden. Sie drohte in Vergessenheit zu geraten. Ironischerweise lenkte die Tat eines offenbar Geistesgestörten in der Zeit unmittelbar nach der Wende die Aufmerksamkeit wieder auf sie.

Nachdem man auf dem Friedhof am Obotritenring in einer Nacht neben mehreren anderen Grabdenkmalen auch Willebrands Stein umgestürzt hatte, begann in den Medien eine Diskussion darüber, wie Geld beschafft werden könnte, um erhaltenswerte Grabsteine nicht weiterer Zerstörung preiszugeben. Diese Aktion war erfolgreich. Das Grabdenkmal wurde wieder aufgerichtet. Herrmann Willebrand gehörte Zeit seines Lebens zu jenen Menschen, die sich nicht gerne in den Vordergrund drängten, vielmehr verrichtete er seine Arbeit in aller Stille und im Bewusstsein von Pflichterfüllung. 

Geboren wurde er am 16. März 1816 als Sohn eines Pfarrers zu Melz bei Röbel. In den Jahren 1835 bis 1838 besuchte er die Berliner Bauschule und erfuhr unter seinen Lehrern Stier und Stüler eine solide Ausbildung. Als er 1839 seine Prüfung als mecklenburgischer Baukondukteur abgelegt hatte, übernahm er als Gehilfe des damaligen Hofbaumeisters Georg Adolf Demmler die Überarbeitung der Baupläne und die Bauausführung des entstehenden Arsenals. Bei seinem Regierungsantritt beauftragte Großherzog Friedrich Franz II. Demmler das alte Schweriner Schloss zu seinem repräsentativen Fürstensitz auszubauen. Für diese Aufgabe wählte Demmler Herrmann Willebrand zu seinem engsten Mitarbeiter. Beide begaben sich dazu auf eine Studienreise an die Loire, um sich hier durch verschiedene Schlösser anregen zu lassen für die zukünftige Gestaltung des Schweriner Schlosses. Die ersten von Demmler eingereichten Entwürfe für den Umbau fanden allerdings nicht die Billigung des Großherzogs. Auch Pläne von Johann Gottfried Semper und Friedrich August Stüler wurden nicht akzeptiert. Schließlich entschied sich der Hof überarbeitete Pläne von Demmler ausführen zu lassen. Inwieweit künstlerische Ideen von Herrmann Willebrand eingeflossen sind, hat man nie ganz eindeutig herausgefunden. In taktvoller Bescheidenheit äußerte sich offenbar auch Willebrand selbst nicht. 

Die Vollendung des Schlossumbaus war zweifellos die größte Herausforderung, der sich Herrmann Willebrand stellen musste. Aber auch seine späteren Leistungen zeugen von hohem künstlerischem Niveau und gestalterischem Talent. Auch wenn sie in ihren Dimensionen bedeutend geringere Abmessungen aufweisen, sind an ihnen architektonische Meisterschaft unverkennbar. Unter Willebrand entstanden beispielsweise das Gymnasium Fridericianum am Pfaffenteich, der Umbau des Neustädtischen Palais in der heutigen Puschkinstraße, der Jägerhof, der Gestütshof in Raben Steinfeld, aber auch in Ludwigslust, Rostock und anderen Orts wurde der Architekt tätig. An die gefallenen Mecklenburger im deutsch-französischen Krieg 1870/71 erinnert auf dem Alten Garten Willebrands Siegessäule. Gekrönt wird sie von der Megalopolis, eine das große Land Mecklenburg symbolisierenden Frauengestalt des Bildhauers Gustav Adolf Friedrich Willgohs. Zu den herausragenden Bauleistungen Willebrands gehört auch die Vollendung des Museums am Alten Garten. Ursprünglich von Demmler als Schlossneubau in Angriff genommen, wurde das Vorhaben nach dem plötzlichen Tod von Großherzog Paul Friedrich gestoppt, obwohl die Fundamente schon fertiggestellt waren. Großherzog Friedrich Franz II. beauftragte schließlich Willebrand über den vorhandenen Fundamenten einen Museumsneubau zu errichten. 1882 konnte die Sammelstätte eröffnet werden. Ihr erster Direktor war Prof. Dr. Friedrich Schlie. Architekt Willebrand erhielt den Titel eines Oberhofbaurates. Zuletzt lebte der Baumeister zurückgezogen, die Öffentlichkeit scheuend. Hoch betagt starb er am 10. Juni 1899 in Schwerin.

0:00
0:00

Nächstgelegene Haltestelle wird geladen

Nächste Haltestelle

entfernt

Auf Karte anzeigen
Obotritenring 247
19053 Schwerin