Setzen wir den Weg fort in Richtung auf den Hauptweg zu, so treffen wir nach wenigen Schritten rechtsseitig auf die Grabstätte des Hof- und Porträtmalers Theodor Schloepke. Wie schon erwähnt, kann nicht jeder Persönlichkeit ein Denkmal gesetzt werden. Oft bleibt aber die Erinnerung durch den in Stein gehauenen Namen auf dem Grabmal wach. In derartiger Bewahrung monarchistisch-feudalistischer Zeit hatte man im SED-Staat jedoch kein sonderliches Interesse. So entdeckte die Niederdeutsch-Gruppe im Fachwerk e.V. des Kulturbunds gelegentlich einer Friedhofsbegehung Schloepkes Grabstätte in einem verwahrlosten Zustand.
Die Grabtafel war fast in den Boden versunken. Spontan waren sich alle einig: Die Grabstätte muss wieder in einen würdigen Zustand gesetzt werden. Dankenswerterweise hat inzwischen die Friedhofsverwaltung die weitere Pflege übernommen.
Theodor Schloepke wurde als Sohn des Schlosskirchenorganisten am 6. März 1812 in Schwerin geboren. Er erlernte zunächst das Handwerk bei Malermeister Michaelsen. In seiner Freizeit beschäftigte er sich mit Kunstmalerei und erhielt den ersten Zeichenunterricht in einer von Demmler geleiteten Sonntagsschule, in der Gewerbelehrlinge in ihrer Ausbildung unterstützt wurden. Dank der Fürsprache, der an dieser Schule tätigen Lehrer, Theodor Fischer-Poisson, Friedrich Lenthe und Carl Schumacher kam Schloepke zu einem großherzoglichen Stipendium, das ihm den Besuch der Berliner Kunstakademie von 1836 bis 1840 ermöglichte. Schon während dieses Studiums schuf er verschiedene Pferde- und Genrebilder für den Hof als Dank für die erfolgte Unterstützung. Nach dem Studium in Berlin entstanden vorwiegend Porträts und Historienbilder im Auftrag des Schweriner Hofes. Schloepkes Vorliebe galt stets aber der Gestaltung von Pferdebildern.
Ein weiterer Studienaufenthalt in Paris 1847 als Schüler des Schlachtenmalers Vernet gab ihm Gelegenheit seine Kenntnisse besonders in diesem Genre zu vervollkommnen. Das großformatige Auftragswerk „Niklots Tod“, heute im Schweriner Schloss zu betrachten, demonstriert eindrucksvoll Schloepkes dynamische Gestaltungsfähigkeit. Eine Leistung, die ihre Anerkennung durch die Ernennung zum Hofmaler fand. Als sehr produktiver Künstler schuf Schloepke aber nicht nur repräsentative Gemälde für das Fürstenhaus. Landschaftsbilder, Architektur- und Volksszenen und immer wieder auch Porträts vervollständigten das umfangreiche Schaffen. Fragt man bei den Porträts nach herausragenden, so fällt die Entscheidung schwer. Zweifellos sind die des Komponisten Friedrich Kücken, des Kabinettsrats Prosch oder auch seines Freundes Fritz Reuter besonders eindrucksvoll. Im Zusammenhang mit Reuter dürfen keineswegs aber die Illustrationen zu den Reimschwänken „Läuschen un Rimels“ unerwähnt bleiben.
Schließlich schuf Schloepke 1875 noch das Porträt des Grafen Adolf Friedrich von Schack und unterstrich einmal mehr seine Fähigkeit ein Modell mit großer Sensibilität zu erfassen und auf die Leinwand zu übertragen. Mit Theodor Schloepke starb am 13. Januar 1878 nicht nur ein beachtlicher Zeichner, sondern der bedeutendste Hofmaler Mecklenburgs im 19. Jahrhundert überhaupt. Das Staatliche Museum Schwerin besitzt außer einem umfassenden grafischen Werk auch 40 Gemälde des Künstlers.