Schriftsteller Adam Scharrer

Wandernder Geselle, Schlosser und Kriegsdienstverweigerer

Vorbei an der kleinen gotischen Kapelle setzen wir unseren Rundgang fort und stehen nach wenigen Schritten vor dem mit einem Bildnismedaillon versehenen Grabstein von Adam Scharrer. Aus dörflichem Milieu hervorgegangen, hat Scharrer als wandernder Handwerksgeselle mehrere Länder Europas kennengelernt. Zweitältester Sohn von 17 Geschwistern, erlebte er eine harte trostlose Jugendzeit. In dem bayrischen Dorf Kleinschwarzenlohe, wo er am 13. Juli 1889 geboren wurde, hielt ihn nach der Schulentlassung und nach der Schlosserlehre nichts mehr. Nach der Gesellenprüfung durchwanderte er Deutschland, die Schweiz, Österreich und Italien stets auf der Suche nach Arbeit.

Hoffnungen und Enttäuschungen begleiteten ihn, ließen ihn erst nach vielen Irrwegen zu sich selbst finden. 
Unverstanden von Menschen, die ihm nah waren, wurde Scharrer die Landstraße für viele Jahre zur Heimat. Als gelernter Schlosser und Metallarbeiter nahm er in Werften in Kiel und Hamburg und in metallverarbeitenden Betrieben im Ruhrgebiet das Gedankengut proletarischer Kämpfer in sich auf. Als Kriegsdienstverweigerer beteiligte er sich im ersten Weltkrieg in Berlin am Munitionsarbeiterstreik. Danach wurde Scharrer Mitglied des Spartakusbundes und trat in die KPD ein. 

Aus anarchistischer Außenseiterposition heraus begann Adam Scharrer seine Erlebnisse, Erfahrungen und Enttäuschungen in autobiografischen Romanen aufzuzeichnen. Als die Nationalsozialisten die Macht an sich gerissen hatten, verbrannten sie seine Bücher. In der damaligen Sowjetunion erhielt der Autor Asyl. Nach dem Roman „Vaterlandslose Gesellen“ aus dem ersten Weltkrieg, entstanden unter anderem „Der Hirt von Rauhweiler“ und „In jungen Jahren“. Am 15. Mai 1945 kehrte Adam Scharrer mit seiner Frau nach Berlin zurück. Schon drei Wochen später kam er nach Schwerin und gründete hier den Kulturbund mit. Von Ungeduld getrieben suchte er das kulturelle Leben in Mecklenburg umzugestalten. Erfahrungen und neue Erkenntnisse ließen ihn seine bisher veröffentlichten Schriften teilweise überarbeiten. Daneben nahm neue Werke Gestalt an. Manches blieb unvollendet, etwa der Roman „Der Mann mit der Kugel im Rücken“, denn nur noch eine kurze Zeitspanne blieb Adam Scharrer bis zu seinem Tode. Am 2. März 1948 kam es im Haus des Kulturbunds zu einem Streitgespräch zwischen Ehm Welk und Adam Scharrer über Dichtung und Literaturkritik, wobei sich Scharrer so sehr erregte, dass er die Diskussion abbrechen musste und kurze Zeit später vor dem Klubraum des Kulturbunds zusammenbrach. Der Tod trat sofort ein.

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