Folgen wir weiter auf dem Hauptweg, so fällt uns ein hoch aufragendes Grabkreuz aus schwarzem Marmor ins Auge. Hier befindet sich die Grabstelle des Geheimen Archivrats Georg Christian Friedrich Lisch. Geboren am 29. März 1801 zu Alt-Strelitz, gestorben am 22. September 1883 zu Schwerin. Obgleich Lisch aus keineswegs wohlhabenden Verhältnissen stammte und daher frühzeitig darauf bedacht sein musste selbst Geld zu verdienen, absolvierte er doch das Studium der Theologie, der Philologie, der Mathematik und anderer Fächer in Rostock und Berlin.
Überblickt man sein Lebenswerk, so ist schwer zu entscheiden in welchem seiner Interessengebiete die herausragendsten Leistungen liegen. Alles, womit Lisch sich beschäftigte, wurde mit echter Wissenschaftlichkeit betrieben und mit Gründlichkeit zu Papier gebracht. Kunstwissenschaftler, Publizist, Bibliothekar, Historiker, Archivar, Archäologe, Heraldiker, Genealoge und Topograph – dies alles vereinigte er in einer Person, fürwahr ein Universalgenie.
Lisch, Gründer des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Mecklenburgs, war seit 1834 im Archivwesen tätig und übernahm dort sehr schnell eine leitende Position. Schon 1836 begann er mit der Herausgabe der Vereinsjahrbücher und setzte sie ohne Unterbrechung bis 1879 fort. Die Jahrbücher sind noch heute ein viel benutztes Nachschlagewerk. Eine weitere Meisterleistung ist die Zusammenstellung des Mecklenburgischen Urkundenbuches, dessen erster Band 1863 erschien. Wissenschaftlich fundierter Kunstverstand lag auch dem arbeitsaufwendigen Aufbau der prähistorischen Sammlung im Schweriner Museum am Alten Garten zugrunde. Für das geistige Leben Schwerins war außerdem die Gründung des Kunstvereins von großer Bedeutung. Zu seinem Stammlokal, zuletzt Gaststätte „Zum Mecklenburger“ in der Puschkinstraße, ließ er sich täglich mit einer Droschke fahren. Der Kutscher erhielt für diese Dienstleistung eine Jahrespauschale von 300 Mark. Lisch ließ sich stets genüsslich bewirten. Als Getränk bevorzugte er ein Glas Mosel- und ein Glas Portwein. Moselwein kühlte den Magen zu sehr aus, meinte er und der Portwein sollte, abwechselnd mit dem Moselwein getrunken, das bekömmliche Wärmeverhältnis wieder herstellen. Diesem Ritual huldigte Lisch sein Leben lang.