Otto Metterhausen

Landtagspräsident mit Sinn für niederdeutsche Literatur

Zurück ins Feld 13b zum Liegeplatz 4422: Dort finden wir vor einer mächtigen Sandsteinwand die letzte Ruhestätte des damaligen Landtagspräsidenten Otto Metterhausen. An seinem Grabe, er war Sohn eines Pastors, geboren am 12. August 1861 in Wittenburg, gestorben am 2. Oktober 1943 in Schwerin, drängt sich wieder der Gedanke des zweifachen Todes von Verstorbenen auf. Dem biologischen Tod folgt für viele der des Vergessenwerdens. Im vorliegenden Fall ist es dem Rostocker Literaturwissenschaftler Doktor Jürgen Grambow zu verdanken, dass mit seinem Beitrag in der früheren regionalkundlichen Zeitungsbeilage „Norddeutscher Leuchtturm“ 1980 der Tod des Vergessenwerdens abgewendet werden konnte.

Metterhausen besuchte zunächst das Gymnasium in Güstrow und entschied sich dann nach bestandenem Abitur für die Laufbahn eines Zollbeamten. In diesem Beruf war er vorübergehend in Hamburg tätig, danach als Sekretär beim Statistischen Amt in Schwerin. Hier rückte er nach kurzer Zeit zum Bürovorsteher auf und wurde am 1. Oktober 1919 Direktor dieser Institution. Metterhausen war Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei und kam über diese in den mecklenburgischen Landtag. Am 18. Juni 1924 übernahm er den Vorsitz der Geschäftsführung dieser parlamentarischen Institution, bekleidete also den Posten eines Landtagspräsidenten. Bei all seinen Funktionen, in denen er stets mit viel trockenem bürokratischen Kleinkram zu tun hatte, wich Metterhausen in seiner Freizeit gern in die Gefilde literarischer Erbaulichkeiten aus. Für sein eigenes schriftstellerisches Schaffen bediente er sich des Pseudonyms „Phage Strauss“. Die Lüftung des Geheimnisses um dieses Pseudonym verdanken wir ebenfalls den Recherchen Jürgen Grambows. Der größte Teil der Veröffentlichungen von Metterhausen ist niederdeutsch verfasst. Es handelt sich um Erzählungen, Novellen, Humoresken und Schwänke, die bei verschiedenen Verlagen herauskamen, aber auch in Familienblätter jener Zeit Eingang fanden. So veröffentlichte beispielsweise der Verlag von Ludwig David in Schwerin den Titel „Schelmstück“ 1910 als Nachdruck. Bei intensiver Beschäftigung mit seinen Publikationen, beispielsweise mit „De Wittenstetter Burmester-Hochtied“ und „Mit allerlei Klönkram“ lassen sich gelegentlich Ähnlichkeiten mit dem Schaffen anderer niederdeutscher Schriftsteller feststellen. Nach neueren Kenntnissen wohnte Metterhausen in dem Haus Platz der Jugend 8, früher Bismarckplatz. Von den Nachkommen ist lediglich eine Enkelin bekannt, die ihren Wohnsitz auf der Isle of Man hat. Das Fachwerk Niederdeutsch beim Kulturbund Schwerin nahm den 50. Todestag von Otto Metterhausen 1993 zum Anlass, an dessen Werk zu erinnern.

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