Hans Franck

Ein rastloser Dramaturg und Lyriker mit großem Schöpfergeist

Noch einmal wechseln wir hinüber ins Gräberfeld 10. Dort finden wir unmittelbar am neuen Weg die Grabstelle des Stadtarchiv-Direktors Hans-Heinrich Leopoldi, auf dessen Verdienste schon zu Beginn unseres Rundgangs aufmerksam gemacht wurde. Schräg gegenüber seiner Grabstelle betreten wir noch einmal das Feld 13b auf einem Seitenweg und finden dort auf dem Liegeplatz 4612 das Grab des Schriftstellers und Lyrikers Hans Franck. Als Sohn eines Dachdeckermeisters am 30. Juli 1879 in Wittenburg geboren, starb er am 11. April 1964 in der Lungenklinik in Schwerin.

Seinem Wunsch entsprechend wurde er zunächst auf seinem Landsitz Frankenhorst am Ziegelaußensee beigesetzt. 1967 jedoch ließen die SED-Machthaber seine Urne auf den Alten Friedhof umbetten. Die Partei-Prominenz hatte sich Frankenhorst als Feriendomizil auserkoren und die Erinnerung an streitbare Männer wie Hans Franck war dort offenbar störend. Nach Absolvierung des Lehrerseminars in Neukloster war Franck als Volksschullehrer in Hamburg tätig. Danach übernahm er in Düsseldorf am Stadttheater dramaturgische Aufgaben, hielt Vorlesungen an der dortigen Hochschule für Bühnenkunst und wurde schließlich Leiter dieser Anstalt. Als rastlos tätiger schöpferischer Mensch machte er sich sehr schnell als Verfasser von Dramen und Romanen einen Namen, ließ es sich aber auch nicht nehmen, selbst als Kritiker tätig zu werden. Sein vielseitiges schriftstellerisches Lebenswerk umfasst mehr als 100 Buchtitel, wenngleich sein Schaffen nicht von allen Kritikern angenommen wurde. Viele der Prosatexte gingen mit dem Dünkel des mecklenburgischen Adels hart ins Gericht, auch mit dem Machtstreben des Klerus. Hans Franck verstand sich durchaus als kritischer Protestant. Seine biografischen Romane überzeugen durch einfühlsame Darstellungsweise und beeindrucken durch die tiefe Verinnerlichung, die den Leser nicht unberührt lässt. Ganz besonders trifft das zu für die Romane um Annette von Droste-Hülshoff, um Goethe sowie um Johann Sebastian und Friedemann Bach. Die eigene schwere Krankheit und der Tod seines ersten Kindes veranlassten Hans Franck, nach Schwerin zurückzukehren. Er wurde hier 1921 auf seinem Landsitz Frankenhorst erneut ansässig und widmete sich neben der Landwirtschaft ganz seinem literarischen Schaffen. Obgleich er das Gespräch besonders mit der Jugend suchte und ein interessierter Gesprächspartner war, blieb er doch in sich verschlossen. Hans Franck war ein enthusiastischer Musikliebhaber, schätzte besonders Bach und versäumte es an keinem Tage, sich am Flügel nach anstrengender Tagesarbeit neue Kraft zu holen.

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