Carl Schoening

Ein sauberer Schreiberling mit großer Liebe zur plattdeutschen Sprache

Verfolgen wir weiter den soeben betretenen Seitenweg, so gelangen wir an seinem Ende, sobald wir das Feld 13C erreichen, an eine große Birke. Unter ihrem Blätterdach liegt die Grabstelle von Carl Schöning. Carl Schöning, geboren am 19. November 1855 in Parchim, hatte eine schwere Jugendzeit. Sorge und Not begleiteten ihn sein Leben lang. Doch immer wieder waren es seine Heimatverbundenheit und seine Liebe zur plattdeutschen Sprache, die ihm neuen Lebensmut gaben.

Sein Vater starb, als er selbst erst vier Jahre alt war. Auf Waschstellen und mit anderen Hausarbeiten sorgte die Mutter mühsam für den eigenen Lebensunterhalt und den ihrer beiden Kinder. Carl begann nach dem Besuch der Volksschule die Buchbinderlehre, fand hier aber keine rechte Freude und nahm bald die freie Stelle eines Schreibers in einem Rechtsanwaltsbüro an. Als bei der Post in Schwerin Schreiberstellen ausgeschrieben wurden, meldete sich Karl kurz entschlossen. Das Glück war dieses Mal auf seiner Seite. Die Prüfungskommission, der er sich stellen musste, betonte bei ihrer Entscheidung jedoch ausdrücklich, dass er nur wegen seiner besonders sauberen Handschrift angenommen würde. Carl Schöning wurde bald nach Berlin versetzt. In dem ihn nun umgebenen Großstadtleben fand er sich aber nicht zurecht. Ihm fehlte seine mecklenburgische Heimat und vor allem seine geliebte plattdeutsche Sprache. Das änderte sich erst, als er sich in Berlin dem plattdeutschen Verein Quickborn anschloss. Bald wurde Carl Schöning nicht nur in seiner engeren Heimat zu einem begehrten Reuter-Rezitator. Es konnte daher nicht Wunder nehmen, dass Schöning sich nach seiner Rückkehr nach Schwerin der 1911 gegründeten plattdeutschen Gilde anschloss. Auch bei der Wandertruppe der Gilde den Feldflüchtern war er bis zu seinen letzten Lebensjahren aktives Mitglied. Aus seiner Feder stammte auch das heute noch gebräuchliche Feldflüchter-Lied. Viele Gedichte schrieb Schöning, die fast ausnahmslos die Verbundenheit mit Mecklenburg kundtun. Dem ersten Büchlein und „Ut plattdüütschen Laan“ folgte 1909 „Bi mi tohuus“. Seine spätere Ehefrau Marie Schiller aus Lübz lernte Carl Schöning bei einem Besuch bei seinem Onkel in der Eldestadt kennen. Zur Familie gehörten zwei Kinder – ein Sohn und eine Tochter. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg bestand Karl Schöning das Examen eines Obersekretärs bei der Post. Er starb am 10. März 1928 auf dem Weg zu einer Lesung aus Fritz Reuters Werken.

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