Nachdem wir den von einer Lindenallee gesäumten Neuen Weg passiert haben, wird unser Blick zwischen hochgewachsenen Schwarzkiefern hindurch über eine langgestreckte Rasenfläche hinweg auf das Standbild des Gekreuzigten gelenkt. Nur wenigen ist bekannt, dass sich unterhalb dieser Christusfigur die letzte Ruhestätte des Bildhauers Hugo Berwald befindet. Hugo Berwald wurde am 10. Februar 1863 in Schwerin geboren. Der Vater betrieb in der heutigen Puschkinstraße 24 eine Glaserei und war gleichzeitig auch Hoflieferant für Spiegelwaren aller Art. Der Glaserkitt, der in der Werkstatt des Vaters stets ausreichend vorhanden war, zog den jungen Berwald wegen der leichten Verformbarkeit immer wieder magisch an. Und so gestaltete er daraus figürliche Modelle aller Art.
Mit großer Geschicklichkeit modellierte er sehr bald Kopfbildnisse von Familienmitgliedern und Lehrern. Die außergewöhnliche Veranlagung und die Fingerfertigkeit ließen gar keinen anderen Beruf infrage kommen. Der Junge musste Bildhauer werden. So nahm er denn nach seiner Schulentlassung zunächst ein dreijähriges Studium an der Berliner Kunstakademie auf. Seine Lehrer, Albert Wolf und Friedrich Schaper, beide aus der Tradition der Berliner Rauchschule, lenkten die künstlerische Entwicklung so, dass sein späteres Schaffen formvollendet und in schlichter Größe vor sich ging. In den Jahren 1890 bis 1892 hielt sich Berwald in Rom auf. Hier vervollständigte er seine Kenntnisse unter der Anleitung seines Schwiegervaters, des Bildhauers Joseph von Kopf. Besonders durch das Studium antiker Ausdrucksformen, gepaart mit der bei ihm bereits vorhandenen technischen Könnerschaft bei der Bearbeitung des Materials, gleichgültig ob Holz, Metall, Granit, oder Marmor, war es ihm vergönnt, eine große Anzahl einmaliger Meisterwerke zu schaffen. Nach seinem Aufenthalt in Rom richtete sich Berwald in Berlin ein Atelier ein. Die Verbindung zum Schweriner Hof riss trotzdem nicht ab und als 1907 des Künstlers Marmorstandbild der Großherzogin Alexandrine im Grünhausgarten aufgestellt war, wurde Berwald zum Professor ernannt. Zu den weiteren Werken seines umfangreichen Schaffens, von denen auch einige in Schwerin öffentlich zugänglich sind, gehört der Brunnen „Rettung aus Seenot“ auf dem Platz vor dem Bahnhof. Auf dem Gelände der Nervenklinik finden wir die schon an anderer Stelle erwähnte Basedow- und am Pfaffenteich vor dem Gymnasium Fridericianum die Schliemann-Büste. Christus am Kreuz auf dem Friedhof am Obotritenring war ursprünglich für das Grab von Berwalds Frau in Rothenfelde vorgesehen, wurde dann aber nach der Erweiterung dieses Friedhofs hierher umgesetzt. Als der Wettbewerb zur Schaffung des Fritz-Reuter-Denkmals in Stavenhagen ausgeschrieben wurde, beteiligte sich auch Hugo Berwald daran. Sein Entwurf kam unter den acht eingereichten in die engere Wahl. Die Entscheidung fiel jedoch dann zugunsten von Wilhelm Wandschneider. 1927 kehrte Berwald nach Schwerin zurück, lebte hier zurückgezogen und ohne Kontakte zu Kollegen. Durch längere Krankheit geschwächt, starb er am 14. Februar 1937 und wurde auf dem Alten Friedhof beigesetzt. Als der Friedhof erweitert wurde, bettete man die sterblichen Reste am 18. November 1937 um und seit dieser Zeit markiert der Christus am Kreuz die letzte Ruhestätte seines Schöpfers.