Heinrich Friese

Ein Orgelbauer mit Leidenschaft für Bienen und Naturforschung

Über den Außen- und den Talweg gelangen wir zum Feld FA, wo sich unterhalb des Südhangs auf dem Liegeplatz 207 der unscheinbare Grabstein für den Bienenforscher und Orgelbauer Heinrich Friese befindet.  An das mit großem Engagement erarbeitete Werk des Entomologen Doktor Heinrich Friese erinnert auch an seinem Elternhaus in der Kirchenstraße 1 eine Gedenktafel. Hier wurde er am 4. Mai 1860 geboren. Schon während der Schulzeit galt seine Liebe der Flora und Fauna seiner Umgebung. Mit der Aufzucht von Pflanzen aus Samen und dem Sammeln von Puppen und Raupen von Insekten verbrachte er den größten Teil seiner Freizeit.

Dafür handelte er sich nicht nur am Schweriner Realgymnasium den Spitznamen Naturforscher ein. Sein besonderes Augenmerk wandte Friese den Bienen und ihren Verhaltensweisen zu. Ein schon früh auftretendes Augenleiden zwang den Jungen dazu, die Schule bereits in der Obersekunda zu verlassen. In der Werkstatt seines Vaters erlernt er das Handwerk eines Orgelbauers. Doch die Erforschung der Bienen ließ nicht nach. Die Sammlungen von Präparaten wuchsen und erweckten das Interesse von Fachleuten, so der Entomologen Professor Taschenberg und Schmiedeknecht. Frieses erste Veröffentlichung war das umfangreiche wissenschaftliche Werk „Die Bienen Thüringens“. Mit dem Verkaufserlös und den von meisterhaft gefertigten Präparaten von Insekteneiern, Puppen, Larven und ausgewachsenen Insekten finanzierte Friese auch einen Studienaufenthalt in Paris. Ein Jahr lang reiste er durch Dalmatien, Siebenbürgen und Ungarn. Die hierbei gesammelten Forschungsergebnisse fanden ihren Niederschlag in dem bis zum Jahre 1900 zusammengetragenen sechsbändigen Werk „Die Bienen Europas“, das internationale Anerkennung fand. Sein umfangreiches Wissen wurde durch Studien in Straßburg und Jena vervollkommnet. Schließlich promovierte ihn die Universität Gießen zum Doktor phil. ehrenhalber. Die Schweriner Landesregierung ehrte Friese 1913 mit dem Professorentitel. Eine besondere Freundschaft verband den Forscher mit dem Jenaer Naturwissenschaftler Professor Ernst Haeckel. Von 1895 bis 1905 Friese in Innsbruck. Dort wurde mit besonderer Intensität an dem Werk über die Bienen Europas gearbeitet. Forschungsreisen führten ihn auch nach Südamerika, Japan, Afrika, Java und Neuguinea. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten entstanden danach. 1905 kehrte Friese mit seiner Familie nach Schwerin zurück. Der Erste Weltkrieg unterbrach die Verbindungen zu den Kollegen in aller Welt. 
Als erklärter Kriegsgegner arbeitete Friese bis zu seiner Pensionierung im Landesgesundheitsamt Schwerin in der biologischen Forschung. Die Zeit des Nationalsozialismus verbrachte er zurückgezogen. Hochbetagt nahm er danach seine Forschertätigkeit noch einmal auf. Bis in seine letzten Lebenstage arbeitete er unermüdlich. Mit 88 Jahren schloss er am 8. September 1948 in Schwerin für immer die Augen. Ein gelernter Orgelbauer, von dem große Leistungen zu erwarten waren, lebt in der Erinnerung vieler als Bienen-Professor weiter.

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