Tour Alter Friedhof

Ein Spaziergang mit Erinnerungen an Persönlichkeiten, die die Geschichte und das Antlitz Schwerins geprägt haben

Wir sind am Ende unserer Wanderung über den Friedhof am Obotritenring. Ein großer Teil der hier zusammengefassten Kurzbiographien und Gedanken entstand schon vor der sogenannten Wende 1989, zu einem Zeitpunkt, als tatsächlich ernsthaft der Gedanke erörtert wurde, den Friedhof zu einem Volkskulturpark umzugestalten. Mit sporadischen Veröffentlichungen in Tageszeitungen wurde damals der Versuch unternommen, gegen ein unsinniges Vorhaben aufzubegehren. Gerade in Schwerin gab es mit Blick auf den Alten Friedhof der jüdischen Gemeinde und den alten Domfriedhof am Lobedanzgang Beispiele dafür, was geschieht, wenn ideologische Ignoranz das Fortbestehen von Friedhöfen in Frage stellt.

Glücklicherweise ist der Alte Friedhof der jüdischen Gemeinde von Schwerin nahe dem Heidensee nach den sinnlosen Verwüstungen des Jahres 1938 inzwischen wieder in einen angemessen würdigen Zustand versetzt worden – wenngleich, und das darf nicht ungesagt bleiben, auch hier unwiederbringliches Kulturgut vernichtet wurde. Diese Feststellung trifft besonders mit Blick auf verlorengegangene Kulturgüter in größerer Dimension auf den ehemaligen Friedhof der Domgemeinde an der Reiferbahn zu. Hier wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sowohl das Friedhofsgelände als auch das unmittelbar angrenzende Grundstück des ehemaligen städtischen Lyceums von Dienststellen der sowjetischen Armee genutzt. Sinnlose Verwüstungen, die besonders den Bereich des Friedhofs betrafen, werden nicht wieder ungeschehen zu machen sein. Der trostlose Anblick, den dieses Areal dem heutigen Betrachter bietet, kontrastiert in entsetzlicher Weise mit dem Bild, den dieses einst fast idyllisch anmutende Fleckchen Erde dem Besucher vor dem Kriege bot. Auf die übrigen Friedhöfe in der Stadt Schwerin ist im Einzelnen schon Bezug genommen worden. Der Alte Friedhof der Schelfgemeinde an der Werderstraße wurde 1778 eingeweiht. Inzwischen ist dieser Friedhof zu einem kleinen Park umgestaltet. Aber immer noch finden wir dort einige Grabsteine, so unter anderem die Grabplatte für den Pfarrer an der Nikolaigemeinde, Heinrich Alexander Seidel, den Vater des Dichters Heinrich Seidel. Der Gemeindefriedhof der katholischen Gemeinde in der Wismarschen Straße wurde 1861 eingeweiht. Dort erinnert ein Gedenkstein an die 1870/71 in Schwerin gestorbenen französischen Kriegsgefangenen. Auf den kleinen anstaltseigenen Friedhof im Gelände der Nervenklinik wurde schon im Zusammenhang mit der Würdigung des Lebenswerkes von Rudolf Tarnow, Karl Hill und Carl Friedrich Flemming ausführlich eingegangen. 

Die mit dieser Publikation vorgelegten Erinnerungen und Interpretationen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wollen aus ganz persönlicher Sicht darauf aufmerksam machen, dass in Schwerin bisher weitgehend unbekannt gebliebene Gräber von bedeutenden Gelehrten, Dichtern, Malern, Künstlern und Politikern vorhanden sind. Wie auch dem Vorwort zu diesem Büchlein zu entnehmen ist, wurde bei der Erschließung des Schweriner Waldfriedhofs in Krebsförden in Erwägung gezogen, den Friedhof am Obotritenring in absehbarer Zeit stillzulegen. Das Vorwort lässt aber zugleich erkennen, dass neben vielen anderen parallel laufenden Initiativen auch die Bemühung des Verfassers dieses Büchleins nicht ungehört verhallt sind, dass damit gerechnet werden kann, dass der Friedhof am Obotritenring erhalten bleibt. Bei entsprechender Pflege könnte sich der Friedhof am Obotritenring in seiner Gesamtheit sehr schnell zu einem ökologischen und kulturgeschichtlichen Denkmal entwickeln und bräuchte einen Vergleich mit überregional bekannten Friedhöfen in Hamburg, Weimar oder Berlin keineswegs scheuen. Vor allem aber würde der Tod des Vergessenwerdens all denen erspart bleiben, an deren Gräbern wir bei unserem Rundgang verweilten. 

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Obotritenring 247
19053 Schwerin