Konfrontation vor dem SED-Gebäude
Aufruhr nach der ersten großen Demonstration
Schon auf Bildern von 1945 zeigen sich Schweriner Massen auf der Granitbasis des Kollegiengebäudes in der Schlossstraße, angrenzend an den Alten Garten. Damals paradierten die Engländer vor Feldmarschall Montgomery und die Schweriner beobachteten die Parade der Sieger. Nach Gründung der DDR 1949 bezogen Ministerpräsident Wilhelm Höcker und zwei seiner sieben Minister das Kollegiengebäude.
Die beiden Minister hießen Johannes Warnke und Bernhard Quandt und verwalteten das Innere und die Landwirtschaft. 1952 war die Länderherrlichkeit vorbei. Die DDR zerfiel in Bezirke; die waren kleiner und leichter zu regieren. Die Staatspartei übernahm das schöne Haus und füllte es wieder mit Macht bis an die Traufe.
Nach der ersten großen Demonstration der 40.000 Menschen am 23. Oktober 1989, die am Alten Garten begann und wieder endete, versuchten etwa 2.000 Menschen vor dem SED-Gebäude die direkte Konfrontation mit dem Bezirkssekretär der SED. Dies konnte verhindert werden – allerdings nur durch das beherzte Eingreifen eines der Organisatoren, Heiko Lietz. Er positionierte sich vor dem Eingang mit einem Sprachrohr und schaffte es, die Aufgebrachten zu beruhigen. Nach etwa einer Stunde war dies gelungen, und alle gingen friedlich auseinander.
Zum Kollegiengebäude:
Vier Jahre geplant, neun Jahre gebaut: Die Konstruktion des Kollegiengebäudes ging von Anfang an durch mehrere Hände. Ab 1823 setzte Carl Heinrich Wünsch mit seinen Ideen den Stift an und beauftragte schließlich Georg Adolph Demmler mit der Bauleitung. Am 29. September 1825 wurde der Grundstein gelegt, im Dezember 1834 – also rund 9 Jahre später – wurde das Gebäude bezogen. Doch es blieb nicht, wie es war. Im Jahr 1865 wurde das Kollegiengebäude durch einen Brand zerstört, Hermann Willebrand machte neue Pläne und baute es wieder auf. Nach dem Vorbild des ersten Gebäudes wurde 1890 bis 1892 das Kollegiengebäude II als Erweiterungsbau errichtet.
Zeitsprung – als schließlich die Staatskanzlei 1990 ins Kollegiengebäude einzog, wurde aufwändig saniert. Eigentlich sollte der Besprechungsraum im Dachgeschoss eine Lüftungsanlage erhalten, damit auch bei hitzigen Debatten ein erträgliches Raumklima gewährleistet bleibt. Doch die Bauleute entdeckten im Dachstuhl ein Quartier des unter Schutz stehenden Abendseglers – lateinisch: Nyctalus noctula, der genau diesen Ort für seine Kinderstube gewählt hatte. Der Einbau der Lüftungsanlage wurde abgeblasen. Seitdem muss sich die Staatskanzlei mit der Fledermausart arrangieren.
Auch zwei Brunnen im Keller sorgten für Aufsehen: Im Zuge von Kanalausschachtungsarbeiten stießen Bauarbeiter im August 1998 auf zwei Brunnenanlagen unter der Kellersohle, die in den bisherigen Unterlagen nicht verzeichnet waren. Beim Blick hinein entdeckte man in etwa zwei Metern Tiefe klares und geruchsfreies Wasser. Zunächst wurde vermutet, dass dieser Brunnen zur Klosteranlage der Franziskanermönche gehört hatte, die einst auf diesem Grundstück stand. Weitere Untersuchungen ergaben jedoch, dass die beiden entdeckten Brunnen dem Entwässerungssystem des jetzigen Gebäudes zuzuordnen sind, somit also wahrscheinlich mit dem Bau des Kollegiengebäudes I ab 1824 angelegt wurden. Die Entwässerung erfolgte in Richtung Schweriner See. Wann dieses Entwässerungssystem durch neue Leitungen ersetzt wurde, ist nicht bekannt.
Zum Schluss noch ganz besonderer Glanz im Haus: Große Aufregung herrschte im März 1998, als ein besonders cleverer Reporter der Bildzeitung glaubte, in der Staatskanzlei einen Goldschatz entdeckt zu haben. Leider irrte er sich: Es war kein Gold, das da auf die Geländer und Stützen des historischen Treppenhauses aufgebracht worden war, sondern nur Schlagmetall. Dies glänzte zwar wie Gold auf dem Bild, aber ist nur einen Bruchteil des edlen Metalls wert. Trotz eingehender Informationen der schreibenden Zunft hält sich aber bis heute hartnäckig das Gerücht vom „Goldschatz in der Staatskanzlei“.