Das Arsenal

Stele und Rußspuren erinnern noch heute an 1989

Als Sitz der Bezirksbehörde der Volkspolizei war das Arsenal ein wichtiges Zentrum des staatlichen Machtapparats. Während der ersten Schweriner Montagsdemonstration am 23. Oktober 1989 stellten die Demonstranten dort spontan ihre Kerzen ab, um den Grundsatz „Keine Gewalt“ der Friedlichen Revolution zu untermauern.

Zunächst traten Polizisten, die aus dem Haus kamen, die Kerzen weg. Doch stellte bereits die nächste Welle der rund 40.000 Demonstranten ihre Kerzen ab. Die Lichterflut ebbte nicht ab. Die Polizisten gaben auf. Auch die eigens für den 23. Oktober hier stationierte Bereitschaftspolizei griff nicht ein – es gab keinen Einsatzbefehl. Die Demonstration blieb friedlich. Hunderte von Kerzen erleuchteten schließlich die östliche Fassade des Arsenals. Als die Lichter erloschen, blieben Rußspuren, die an den friedlichen Aufstand erinnerten. 1999 wurde das Gebäude saniert. Es erhielt zwar seine ursprünglich ockerfarbene Fassadengestaltung wieder, doch ein Segment Richtung Pfaffenteich wurde weiß belassen, um die Rußfahnen zu erhalten. Eine Stele mit einem zeitgenössischen Foto und der Aufschrift

„KERZEN / IN DER HAND DES EINZELNEN / EINE MUTIGE GESTE / ALS LICHTERKETTE FÜR FREIHEIT / UND GEGEN DIKTATUR / EIN UNVERGESSLICHES SIGNAL / 23. OKTOBER 1989“

erinnert an die Geschehnisse im Herbst damals. Das Arsenal wurde so zu einem wichtigen Symbol der Hoffnung und des gewaltlosen Protests während der Friedlichen Revolution in Schwerin. Die Kerzen vor dem Gebäude symbolisierten den Wunsch nach Freiheit und Demokratie und den friedlichen Widerstand gegen die Staatsmacht.

 

Zur Geschichte

Das eindrucksvolle großherzogliche Ensemble des Arsenals erstreckt sich am Südwestufer des Pfaffenteichs. Das imposante Bauwerk lenkt den Blick des Flaneurs über das Gewässer und hält ihn fest. Georg Adolf Demmler hatte die Pläne für das Arsenal entworfen. Diese wurden von 1840 bis 1844 von den Architekten Herrmann Willebrand und Gottlieb Ruge umgesetzt – und zwar als Zeughaus.

Mit der Entscheidung des Großherzogs, seine Residenz von Ludwigslust nach Schwerin zu verlegen, war auch die Rückverlegung der Garnison des Garderegiments verbunden. Deshalb sollte das neue Gebäude gleichzeitig Kaserne und Waffenarsenal werden – eine Aufgabe für Demmler. Das Gebäude schloss alles ein, was für die Militärverwaltung an Einrichtungen erforderlich war, nämlich das Militärgericht, das Gefängnis, die Rekrutierungskommission, Schulzimmer, Übungssäle für die Mannschaften, eine Speiseanstalt oder auch Stallungen. 
Der Pfaffenteich, der bislang außerhalb lag, kam jetzt als städtebauliches Motiv in die Planung, indem sich dort sehr bald im Anschluss an das Arsenal eine weitere Bebauung entwickelte. Dadurch wurde die feste Einfassung des westlichen Ufers notwendig.

Großherzogliche Verwaltungsbauvorhaben boten den Anlass für die Befestigung des Areals und den Beginn der inszenierenden Bebauung. In Richtung Westen war die mittelalterliche Stadt im Umfeld des historischen Pfaffenteichs bis dato kaum gewachsen. 
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Polizei im Arsenal untergebracht. Geflüchtete fanden hier nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1947 Unterschlupf. Die Schweriner Bezirksverwaltung nutzte den großen Verwaltungskomplex nach Gründung der DDR als Sitz der Volkspolizei.

 

Originaltöne: Hörspielbox – www.hoerspielbox.de

 

0:00
0:00

Nächstgelegene Haltestelle wird geladen

Nächste Haltestelle

entfernt

Auf Karte anzeigen

Partner

Alexandrinenstraße 1
19055 Schwerin
Vom Curling bis zum Glühweinstand – eine Weihnachtsfeier im Seehotel Frankenhorst ist ein wahrhaft unvergessliches Erlebnis.
Frontalansicht der Statue von Bertha Klingberg mit frischen Blumen im Arm und der zugehörigen Gießkanne rechts neben der Skulptur.