In einem Innenhof im Stadtteil Lewenberg steht die Büste eines Mannes, der das Stadtbild der Landeshauptstadt an zahlreichen Stellen prägte. Er entwarf zahlreiche Bauwerke wie das Arsenal am Pfaffenteich, das Schweriner Schloss, den Marstall und das Hoftheater. Seine ersten Projekte in Mecklenburg startete er 1824 mit der Bauleitung des Kollegiengebäudes, dem heutigen Sitz der Staatskanzlei. Demmler entwickelte auch den Stadtteil Paulsstadt und gestaltete die Umgebung des Pfaffenteichs mit Parkanlagen. 1837 wurde er vom Großherzog Paul Friedrich zum Hofbaumeister ernannt.
Dabei förderte er eine moderne Stadtentwicklung, die den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung gerecht wurde. Auch die Verbindungen zwischen Altstadt und Vorstadt gehen auf sein Wirken zurück.
Der Wohnkomplex, der ihm zu Ehren „Demmlerhof“ genannt wird und seit dem 1. Januar 1982 zur SWG gehört, entstand 1926 bis1928. In dieser Zeit, der Zeit der Weimarer Republik, erlebte der soziale Wohnungsbau einen Aufschwung. Die damals zuständige Gemeinnützige Baugenossenschaft „Selbsthilfe“ für Schwerin und Umgebung war Teil dieser Bewegung – es ging um bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum für Arbeiter und Angestellte.
Der Demmlerhof steht heute unter Denkmalschutz und ist ein herausragendes Beispiel des Backstein-Expressionismus. Dieser Baustil war in den 1920er Jahren besonders in Norddeutschland verbreitet.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde das historische Ensemble behutsam modernisiert. Los ging es 1995 mit dem Einbau einer zeitgemäßen Fernwärmeheizung und neuen Fenstern. Der große Wurf folgte dann zur Jahrtausendwende: Von 2000 bis 2001 wurden die Wohnungen nicht nur grundlegend saniert, sondern auch vergrößert. Dabei zauberte man aus den alten Speisekammern moderne Badezimmer und brachte die komplette Elektrik auf den neuesten Stand. Eine besondere Herausforderung stellte die energetische Sanierung dar – schließlich durfte das denkmalgeschützte Erscheinungsbild nicht verändert werden. Die Lösung: Eine clevere Luftschichtdämmung. Auch das Dach, die Dachböden und Treppenhäuser erstrahlen seither in neuem Glanz.
2002 wurde dann der Innenhof in eine echte Wohlfühloase verwandelt. Heute lädt er mit seinem attraktiven Erscheinungsbild zum Verweilen ein. Ein besonderes Plus: Der Hof ist komplett autofrei, die Parkplätze wurden geschickt ins Nachbargebiet verlegt. Neue Wege führen nun zur Demmlerbüste.
Auch wenn natürlich nicht Demmler der Architekt war, sondern der Hamburger Friedrich Richard Ostermeyer, passen die Beweggründe zum Ansinnen Georg Adolph Demmlers. Ihm zu Ehren wurde die Terracotta-Büste errichtet. Im Jahr 1928 wurde sie feierlich enthüllt – ein stiller Zeuge der Geschichte, dessen Erschaffer bis heute unbekannt geblieben ist. Besonders spannend ist: Als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auch Bomben auf Schwerin fielen, retteten beherzte Anwohner die Büste und brachten sie in Sicherheit. Fast ein Jahrhundert später, im Jahr 2020, war dann eine Schönheitskur fällig. Im Auftrag der SWG nahm sich Kunstrestaurator Matthias Bresien des Kunstwerks an. Mit viel Fingerspitzengefühl verschloss er Löcher und Risse, modellierte beschädigte Stellen nach und erneuerte den Sockel. Zudem stiftete die ehemalige Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft „Fritz Heckert“, (AWG) heute die Schweriner Wohnungsbaugenossenschaft (SWG), eine Ehrungsplakette zum 100. Todestag von Demmler – eine würdige Erinnerung an den Mann, der Schwerins Stadtbild so nachhaltig prägte.
Demmler wurde am 22. Dezember 1804 in Berlin geboren und starb am 2. Januar 1886 in Schwerin. Neben seiner Arbeit als einflussreicher Architekt engagierte er sich auch politisch und sozial für die wachsende Bevölkerung der Stadt.
Er setzte sich für Arbeiterrechte ein, indem er Fonds für Kranken- und Unfallgeld einrichtete. Auch in der Schweriner Freimaurerloge war er aktiv und engagierte sich für Pressefreiheit, Kommunalreform und Verfassungsreform. Allerdings führte seine öffentliche Kritik an konservativen Rückschritten letztlich zum Verlust seiner Position als Hofbaumeister.