Nachdem die Sole zuerst in der Brunnenstube gefördert wurde und sie in den Wärmetauschern an Temperatur verloren hat, ist sie auf dem Weg zur Injektionsbohrung am Sportpark Lankow. Aus dem Thermaltechnikraum wird das nun 56 Grad Celsius warme Heizwasser in den Wärmepumpenraum geleitet.
Hier befinden sich vier Hochleistungswärmepumpen. Sie sind das Herzstück der ersten Geothermie-Anlage der Stadtwerke Schwerin und der Grund für den Leuchtturm-Charakter dieses Projekts. Denn der Einsatz von Hochleistungswärmepumpen zur Nutzung mittelwarmer Sole für die Fernwärmeerzeugung wird hier deutschlandweit erstmals so umgesetzt.
Die vier Wasser-Wasser-Wärmepumpen sind in Reihe geschaltet. Das Heizwasser durchläuft sie also nacheinander. Dadurch wird die Temperatur des Fernwärmewassers in jeder der Pumpen ein bisschen mehr und zuletzt auf bis zu 82 Grad Celsius erhöht. Diese Temperatur ist für den Sommerbetrieb des Schweriner Fernwärmenetzes ausreichend. Gleichzeitig wird Heizwasser auf etwa 18 Grad Celsius ausgekühlt – und dann wieder in den Wärmetauschern erwärmt.
Eine Wärmepumpe funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank, nur in einem umgekehrten Prinzip. Ein Kühlschrank entzieht seinem Innenraum die Wärme und gibt sie nach außen ab. Die Wärmepumpe entzieht dem Heizwasser die Wärme und gibt sie an das Fernwärmewasser ab. Im Inneren einer Wärmepumpe läuft ein geschlossener Prozess aus vier Schritten ab – mithilfe einer in den Kreislauf gepumpten Flüssigkeit, dem Kältemittel. Daher stammt der Ausdruck „pumpen” bei einer Wärmepumpe. Verdampfen, verdichten, verflüssigen, entspannen – diese vier Schritte durchläuft das Kältemittel und erhöht damit die Temperatur des Fernwärmewassers. Als Kältemittel wird in der Anlage in Lankow übrigens R1234ze eingesetzt, weil es ein niedrigeres Treibhausgaspotenzial hat und damit umweltfreundlicher ist als andere häufig verwendete Mittel.
Von außen betrachtet fällt auf: Eine der vier Wärmepumpen ist kleiner als die anderen drei. Das ist nicht nur rein optisch der Fall, sondern tatsächlich in einer geringeren Leistung begründet. Denn die jeweilige Leistung der Wärmepumpen sowie die Gesamtleistung ihrer kaskadischen Schaltung wurde speziell auf die Anlage der Schweriner Stadtwerke und die Temperatur der Sole abgestimmt. Jede der drei großen Wärmepumpen kommt auf eine Heizleistung von etwa zwei Megawatt, die kleinere auf etwas mehr als ein Megawatt.
Für die Wärmepumpen und den Betrieb der weiteren Anlagentechnik wird Strom benötigt. Dieser wird in zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) direkt neben dem Geothermie-Heizwerk erzeugt. Jedes dieser BHKW hat eine elektrische Leistung von 999 Kilowatt; auch die Abwärme wird genutzt. Die beiden BHKW sollen zukünftig mit Bio-Methan betrieben werden. Dieses wird – nach einem Umbau – aus der Biogasanlage der Stadtwerke Schwerin am Energiestandort Süd kommen. Dann wird die erneuerbare Erdwärme mit eigenem Öko-Strom zu grüner Fernwärme für die Landeshauptstadt Schwerin.