Die Injektionsbohrung

Rückkehr der abgekühlten Sole in ihre ursprüngliche Gesteinsschicht

Auf den ersten Blick ist am Sportpark Lankow eigentlich nichts zu erkennen, was zur Geothermie-Anlage gehören könnte. Mitten auf dem Parkplatz des Fußballvereins FC Mecklenburg steht lediglich ein kleines graues Häuschen. Es mag unscheinbar wirken, aber das Filterhaus ist ein essenzieller Bestandteil der Geothermie-Anlage Lankow I der Stadtwerke Schwerin. Es steht übrigens nicht zufällig mitten auf einem Parkplatz. Hier befindet sich die zweite Bohrung der Geothermie-Anlage: die Injektionsbohrung. Der heutige Parkplatz ist der alte Bohrplatz. Denn von hier kehrt die ausgekühlte Sole wieder in ihre ursprüngliche Gesteinsschicht, die Postera, in knapp 1.300 Metern Tiefe zurück.

Auf ihrem Weg nach unten durchläuft die Sole noch einen Filter – daher heißt das graue Häuschen auch Filterhaus. Nun stellt sich vielleicht die Frage, wozu es das braucht, denn die Sole wurde doch schon im Thermaltechnikraum gefiltert. Der dortige Grobfilter hat eine Maschengröße von 25 Mikrometern. Die Filter an der Injektionsbohrung haben jedoch viel feinere Maschen und fangen alles auf, was größer als zwei Mikrometer ist. Das können beispielsweise gelöste Stoffe aus der Sole sein, die sich auf deren Weg durch die Rohrleitungen angesammelt haben. Sie könnten über die Jahre die Poren des Sandsteins verstopfen und damit das Zurückführen der Sole erschweren. Die zusätzliche Filterung dient also dem bestmöglichen Schutz des Aquifers, der wasserführenden Gesteinsschicht im Untergrund. Genaugenommen befinden sich sogar zwei Filter in dem Häuschen. Es reicht jedoch einer für den laufenden Betrieb aus. Der zweite dient der Redundanz, also der Ausfallsicherheit der Anlage.

Damit sich die auf knapp 20 Grad Celsius ausgekühlte und die in der Tiefe 56 Grad Celsius warme Sole nicht in der Nähe der Förderbohrung treffen und durchmischen, wird sie erst in mehr als einem Kilometer Entfernung wieder in ihre ursprüngliche Gesteinsschicht geführt. Durch die sehr guten Eigenschaften des Schweriner Sandsteins mit seinen großen Poren ist dafür keine Pumpe notwendig, es genügt die Schwerkraft. Unten angekommen, wärmt sich das Tiefenwasser dann allmählich wieder auf.

Ihr hoher Salzgehalt lässt die Sole aggressiv gegenüber Metallen wirken. Daher verläuft sie in speziellen Kunststoffleitungen und kommt nicht direkt mit korrosionsanfälligem Metall in Kontakt. Auch die Sole-Verbindungsleitung vom Geothermie-Heizwerk zum Sportpark Lankow besteht daher aus dem Kunststoff Polyurethan. Die 1.037 Meter lange Leitung verläuft unterirdisch entlang der Edgar-Bennert-Straße. Im Schutzrohr der Soleleitung sind Sensoren verbaut, die vor eindringender Feuchtigkeit von innen oder außen warnen.

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