Im „Ludwig-Bölkow-Haus der Wirtschaft“ arbeitet die Interessenvertretung der rund 24.000 IHK-zugehörigen Unternehmen Westmecklenburgs. Die unmittelbare Nähe der IHK zum Landtag, zur Staatskanzlei und zu den Ministerien hat sich als hervorragender Ausgangspunkt für die tägliche Arbeit der IHK bewährt.
Das „Ludwig-Bölkow-Haus der Wirtschaft" symbolisiert zugleich das berechtigte Selbstbewusstsein der Unternehmerschaft Westmecklenburgs, denn „Ohne Wirtschaft ist alles nichts“ und nur über die erfolgreiche Tätigkeit der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter werden die Steuereinnahmen generiert, die Bund, Land und Gemeinden zur Finanzierung sämtlicher Tätigkeitsfelder benötigen.
Als „Interessenvertreter der Wirtschaft“ und als „Ratgeber für Staat und Unternehmen“ sorgen die IHKs dafür, dass bei allen wirtschaftsrelevanten Entscheidungen von Politik und Verwaltung die Anliegen der Wirtschaft berücksichtigt werden. Weil alle Unternehmen der Region – außer den Handwerksbetrieben und den freien Berufen – Mitglieder der Industrie- und Handelskammer sind und ihre gewählten Vertreter in die Vollversammlung entsenden, kann von der Kammer eine objektive und ausgewogene Wirtschaftspolitik formuliert werden.
Für die Meinungsbildung zu den unterschiedlichen Belangen der Wirtschaft Westmecklenburgs engagieren sich ehrenamtlich rund 1.100 Unternehmensvertreter in zahlreichen IHK-Gremien. Auch regelmäßige Befragungen der Mitgliedsunternehmen spielen dabei eine Rolle. Bei zahlreichen Belangen gibt die IHK gegenüber der Verwaltung und Politik fachliche Gutachten und Stellungnahmen ab, wenn sie Einfluss auf die Wirtschaft haben. Das gilt zu Beispiel bei der Planung von Verkehrswegen, beim Entwurf von Förderrichtlinien oder Bauplanungen. Außerdem ist die IHK für einzelne Unternehmen als objektiver Gutachter tätig, wenn es beispielsweise um die Wahl des Firmennamens oder die Auswahl von Unternehmensstandorten geht. Auch Anträge für öffentliche Kredite und Fördermittel oder zur Unabkömmlichkeitsstellung von Arbeitnehmern vom Wehrdienst beurteilt die IHK.
Wirtschaftsförderung aus Sicht der IHK bedeutet vor allem, aktiv Einfluss zu nehmen – auf die Verbesserung der Infrastruktur, in der Bestandspflege der vorhandenen Unternehmen, in der betriebswirtschaftlichen Erstberatung oder Existenzgründungsberatung. Bei Ansiedlungen und Investitionen berät die Industrie- und Handelskammer ebenso. Die Außenwirtschaftsförderung, die Erteilung von Rechts- und Steuerauskünften sowie die Umwelt- und Innovationsberatung sind weitere wichtige Tätigkeitsfelder. Zudem gewährleisten die IHKs in Deutschland die Ausbildung in den Unternehmen und sichern damit die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. So kommen die meisten Bürger in Kontakt mit der Industrie- und Handelskammer, wenn es um die Ausbildung und die Prüfungen in gewerblich-technischen sowie kaufmännischen IHK-Berufen geht.
Das Ludwig-Bölkow-Haus als beeindruckendes Bauwerk
Das „Ludwig-Bölkow-Haus der Wirtschaft" stellt ein in ganz Deutschland beachtenswertes Beispiel für die Nutzung der Geothermie dar. Die Wasserflächen in unmittelbarer Nähe des Gebäudes machten den Bau auf Pfählen notwendig. Diese werden energetisch genutzt: 218 so genannte Energiepfähle decken 75 Prozent des Heizenergiebedarfs und 100 Prozent des Kühlenergiebedarfs ab! Durch diese geothermische Nutzung wird der Kohlendioxid-Ausstoß um 92 Tonnen pro Jahr verringert – ein wichtiger Aspekt! Statt 125.000 Kilogramm Kohlendioxid – mit dieser Emission müsste man bei einem Gebäude mit herkömmlicher Energieversorgung rechnen – erzeugt das „Ludwig-Bölkow-Haus“ nur 33.000 Kilogramm Kohlendioxid jährlich.
Ludwig Bölkow
Ludwig Bölkow wurde am 30. Juni 1912 in Schwerin geboren. Er besuchte bis 1932 das Realgymnasium in Schwerin und danach die Technische Hochschule Berlin, an der er sechs Jahre später das Ingenieurdiplom erwarb. Eine praktische Ausbildung durchlief er von 1932 bis 1933 bei Heinkel in Warnemünde und bei den Deutschen Werken in Spandau. Nach seiner Assistententätigkeit an der TH Berlin trat Ludwig Bölkow 1939 bei Messerschmitt in Augsburg ein und hatte dort wesentlichen Anteil an der Aerodynamik des ersten Düsenjagdflugzeuges der Welt.
Von 1948 bis 1956 unterhielt Bölkow in Stuttgart ein eigenes Ingenieurbüro für moderne Bauweisen, Fördermittel und Arbeitsstudien, das anfangs ganze drei Mitarbeiter zählte. Er entwickelte Baumaschinen, automatisierte Fertigungsanlagen für Baustoffe und ab 1955 Flugkörper und Hubschrauber. 1955 wurde das Ingenieurbüro zu einer Bölkow-Entwicklungen KG mit eigenen Fertigungsbetrieben umgebaut. Daneben entstand 1959 zur Entwicklung eines senkrecht startenden Kampfflugzeuges der „Entwicklungsring Süd“, an dem Bölkow zusammen mit den Firmen Heinkel und Messerschmitt zu je einem Drittel beteiligt war. Aus bescheidenen Anfängen wuchs damit ein Konzern mit beachtlichen Beteiligungen heran. Nach Erreichen des 65. Lebensjahres schied Dr. Ludwig Bölkow aus dem Unternehmen aus, blieb ihm allerdings durch einen Beratervertrag verbunden und war noch immer anteiliger Kapitalgeber von MBB – Messerschmitt-Bölkow-Blohm. Im Jahr 1981 beschäftigte der Konzern weltweit 38.500 Mitarbeiter.
Später ging daraus die DASA (Deutsche Aerospace Aktiengesellschaft) hervor, die im Jahr 2000 durch verschiedene Fusionen auf europäische Ebene zum europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) und letztlich zur Airbus Group vereinigt worden ist.
Der Ehrenbürger der Landeshauptstadt Schwerin, Dr. Ludwig Bölkow, starb kurz nach Vollendung seines 91. Lebensjahres am 25. Juli 2003.