In den 1980er-Jahren war der Paulskirchenkeller ein Ort, an dem sich die Vertreter der kirchlichen und nicht-kirchlichen Opposition, Jugendliche und junge Erwachsene trafen. Trotz Stasi-Beobachtung fanden in den späten Jahren der DDR beispielsweise Punker, Ausreisewillige, Wehrdienstverweigerer, Umwelt- und Friedensaktivisten mit ihren verschiedenartigen Ansichten einen Platz jenseits der politisch organisierten Massenorganisationen.
Hier entwickelte sich unter kirchlicher Obhut der beliebte Jugendtreff „Paule“ – wie der Paulskirchenkeller bis heute liebevoll von seinen Besuchern genannt wird. Hier wurden Lesungen, Konzerte, Diskussionsrunden zu DDR-kritischen Themen veranstaltet.
Ein Lese- und Gesprächskreis beschäftigte sich mit einer alternativen Zukunft in der DDR. Die Mitglieder debattierten über ein neues politisches System (ohne die SED), Wirtschaftsreformen, ein neues Schulgesetz, ökologische Fragen und natürlich über Menschen- und Bürgerrechte. Auch wurden zum Beispiel Augenzeugenberichte zum 7. Oktober in Berlin verlesen. An diesem 40. Jahrestag der DDR sollte eine Militärparade noch einmal die Stärke des Sozialismus beweisen. Doch viele Menschen wollten dem bestellten Jubel etwas entgegensetzen und demonstrierten friedlich gegen das Regime. Polizei und Stasi gingen allerdings gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Sie setzen Wasserwerfer, Reizgas und Schlagringe ein, verschafften sich brutal Zugang zu Wohnungen, in denen sie geflüchtete Demonstranten vermuten. Mehr als 1.000 wurden schließlich verhaftet oder „zugeführt“, wie es im Stasi-Jargon hieß.
Dem Kreis im Schweriner Paulskirchenkeller gehörte auch der Schweriner Martin Klähn an, der bei der Gründung des NEUEN FORUMs am 10. September 1989 in Berlin-Grünheide dabei war. „Die Zeit ist reif – Aufbruch 89“ – so lautete der Aufruf des Neuen Forums, den Martin Klähn mit nach Schwerin in seinen Gesprächskreis trug und damit die Gründung des Neue Forums in Schwerin initiierte. Am 18. September meldeten die Bürgerrechtler beim Rat des Bezirkes Schwerin – Abteilung Inneres – die Gründung des Neuen Forums an. Der Antrag wurde nach 10 Tagen Frist abgelehnt. Die Frauen und Männer ließen sich jedoch nicht einschüchtern und trafen sich fortan einmal wöchentlich in Privatwohnungen. Als die Teilnehmerzahl der Veranstaltungen die Größe der Räumlichkeiten sprengte, stellte die Paulsgemeinde ihren Gemeinderaum in der Bäckerstraße zur Verfügung. Doch auch dieser platzte angesichts des Zustroms unzufriedener Bürger aus allen Nähten.
Schließlich versammelten sich am 2. Oktober 1989 800 Sympathisanten des Neuen Forums in der Paulskirche. Viele trugen sich in die ausliegenden Listen ein, um ihre Bereitschaft zur Mitarbeit zu bekunden. Vom Gesprächskreis im Kirchenkeller ging auch das Signal zur ersten Montagsdemo am 23. Oktober in Schwerin aus. Am Mittwoch, dem 18. Oktober 1989 fällte er die Entscheidung, für den kommenden Montag bei der Volkspolizei eine Demonstration anzumelden.