Vom Plattenbau zum lebendigen Stadtteil

Innovative Wohnraumgestaltung in Neu Zippendorf

Mit dem symbolischen Hammerschlag am 11. November 1971 begann die Geschichte eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte Schwerins: Neu Zippendorf. Was damals als Teil der Großwohnsiedlung „Großer Dreesch“ seinen Anfang nahm, hat sich heute zu einem nachgefragten Wohnquartier entwickelt.

Die Zahlen sprechen für sich: In weniger als zwei Jahrzehnten entstanden mehr als 20.000 Wohnungen, die Schwerin den Sprung zur Großstadt ermöglichten. Fast 56.000 Menschen fanden bis 1990 in den drei neu geschaffenen Stadtteilen – Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz – ihr Zuhause. Nach der Wende verwandelte die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) in enger Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement große Teile der einstigen Plattenbausiedlung in moderne Wohnquartiere. Während sich die WGS um die bauliche Entwicklung kümmert, sorgt das Quartiersmanagement für die soziale Komponente – von Stadtteilfesten bis hin zur aktiven Einbindung der Bewohner in Gestaltungsprojekte. Auch hier wirkt die WGS gerne mit, zum Beispiel wenn ein Sperrmülltauschmarkt Nachbarn zusammenbringt und sogar Auswärtige anlockt.

Die Lage des Stadtteils ist dabei ein echter Trumpf: Die Nähe zum Schweriner See und Zippendorfer Strand sowie die umliegenden Wald- und Wiesenflächen bieten ideale Bedingungen für Freizeit und Erholung. Markante Bauwerke wie der 136,5 Meter hohe Fernsehturm sind zwar ohne das frühere Turmcafé kein Ausflugsziel mehr, wohl aber ein städtebaulicher Akzent.

Wie kreativ und zukunftsweisend der Wandel einer Plattenbausiedlung gelingen kann, zeigt eindrucksvoll das WGS-Projekt in der Pilaer Straße 25-31. Seit der 14-monatigen Komplettsanierung im Jahr 2019 erstrahlt das Gebäude in einem völlig neuen Gewand: Die innovative 3D-Fassade in warmen Orange- und Beigetönen verleiht dem ehemals schlichten Plattenbau eine dynamische Optik und macht ihn zum architektonischen Blickfang des Quartiers.
Besonders markant ist ebenfalls die terrassenförmige Silhouette des Gebäudes: Teile des obersten Geschosses wurden abgetragen, an anderer Stelle kam ein neues Stockwerk hinzu. Dadurch entstanden zwei zusätzliche Penthouse-Wohnungen mit hochwertiger Ausstattung und Blick in Richtung Schweriner See.
Doch die WGS dachte bei der Modernisierung weit über das äußere Erscheinungsbild hinaus. Zukunftsfähige Grundrissänderungen, die Installation von Aufzügen in zwei Hausaufgängen sowie barrierearm gestaltete, großzügige Bäder tragen der demografischen Entwicklung Rechnung. Darüber hinaus erweitern neue, tiefere Balkone mit Südwest-Ausrichtung und Markisen den Wohnraum nach außen und schaffen zusätzliche Lebensqualität.

Auch in der Tallinner Straße ist durch eine umfangreiche Modernisierungsmaßnahme 2007 ein Blickfang entstanden. Zunächst wurden die Gebäude mit den Hausnummern 1-7 komplett abgerissen. Zwei weitere Häuser ließ die WGS von fünf auf drei Geschosse zurückbauen. Zudem wurden Gebäudeteile entnommen. Das Ergebnis ist ein aufgelockertes Gebäudeensemble, das zwar nur mit 42 Wohnungen statt ehemals 220 aufwartet. Diese aber punkten mit großzügigen, zeitgemäßen Grundrissen und Wohnflächen von etwa 65 bis 75 Quadratmetern sowie freitragenden Balkonen und in einigen Häusern sogar Terrassen. Die helle Fassade mit farbigen Akzenten und die mittlerweile üppige Begrünung gefällt Mietern und Passanten gleichermaßen.

Rund zehn Jahre später zog die WGS mit Modernisierungsarbeiten in der Neubrandenburger Straße nach. Das Wohngebäude aus dem Baujahr 1977 blieb als Fünfgeschosser erhalten, bekam aber eine strahlend weiße Fassade und farbige Balkone in verschiedenen Blautönen sowie Markisen. Die ehemaligen Loggien wurden hingegen zu Wohnraum umgebaut und vergrößerten so die Zimmer. Drei der vier Hausaufgänge mit den Nummern 1,3,5 und 7 verfügen über innenliegende Aufzüge und die Eingangsbereiche wurden ebenso modernisiert. Die Baumaßnahme wurde zum Teil über eine Crowdinvest-Aktion finanziert. Das Projekt „Bürger-Wohn-Anlage“ motivierte zahlreiche Investoren zur Beteiligung. So kamen insgesamt 858.000 Euro der vier Millionen Gesamtmodernisierungskosten über Crowdinvest zustande.

Die Bauprojekte in Neu Zippendorf stehen beispielhaft für eine erfolgreiche Transformation des gesamten Stadtteils – vom funktionalen Plattenbau zum attraktiven Wohnquartier mit hoher Lebensqualität.

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Pilaer Str. 1
19063 Schwerin