Wer heute durch den Schweriner Stadtteil Lankow spaziert, kann sich kaum vorstellen, dass hier früher beschauliches Dorfleben herrschte. Lankow wurde im Jahr 1237 erstmals urkundlich erwähnt und noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts prägte ländliche Beschaulichkeit das Bild: Sieben Bauernhöfe, einige Büdnereien und Häuslereien sowie drei Ziegeleien formten zusammen mit einer Dorfschule und einer gemütlichen Gastwirtschaft den Kern der kleinen Gemeinde. 1928, nach der Eingemeindung zu Schwerin, gab es gerade einmal 632 Einwohner. Der große Wandel kam mit den 1960er Jahren.
Im Zuge des sozialistischen Wohnungsbaus schossen plötzlich Plattenbauten wie Pilze aus dem Boden. Innerhalb von nur elf Jahren entstanden 6.000 neue Wohnungen, die rund 20.000 Menschen ein Zuhause boten.
Heute präsentiert sich Lankow als lebendiger Stadtteil, beliebt bei Jung und Alt. Von den einstigen Hochhaus-Giganten ist nur noch einer übrig – das 1967 erbaute Hochhaus in der Rahlstedter Straße 1/2. Nach einer aufwändigen Sanierung im Jahr 2016 wurde der Zehngeschosser mit seinen 380 Wohnungen zum echten Hingucker. Besonders interessant ist dabei die Geschichte, wie das Gebäude zu seinen markanten Farben kam: Die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) beschritt bei der Fassadengestaltung ganz neue Wege der Bürgerbeteiligung und stellte die Entwürfe von Architekt Roland Schulz zur öffentlichen Abstimmung. Im Zuge dessen durften nicht nur die Mieter ihre Favoriten benennen. Auch der Ortsbeirat wurde miteinbezogen und sogar die gesamte Schweriner Bevölkerung konnte über Facebook ihre Stimme abgeben. Zur Wahl standen ein klassischer und zwei bunte Farbentwürfe. Die finale Entscheidung fiel in letzter Minute: Kurz nach Baubeginn wurde der Siegerentwurf gekürt. Das Ergebnis dieser bemerkenswerten Bürgerbeteiligung kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen: Die gewählte bunte Fassadengestaltung im Camouflage-Stil macht das Hochhaus heute zu einem sichtbaren Wahrzeichen Lankows und steht symbolisch für den gelungenen Wandel des Stadtteils.
Doch nicht nur von außen wurde das Hochhaus zum Kunstwerk. Auch im Inneren entstand etwas ganz Besonderes. Der Künstler Michael Frahm verwandelte die Flure in eine begehbare Galerie der Geschichten. Für jede der zehn Etagen schuf er ein großflächiges, individuelles Kunstwerk. Was diese Bilder so einzigartig macht: Sie erzählen die persönlichen Glücksmomente der Hausbewohner. Frahm ging dabei buchstäblich in die Tiefe: Er bezog nämlich selbst eine Wohnung im Hochhaus und richtete in der siebten Etage sein Atelier ein, wo die Nachbarn ihm bei der Entstehung der Kunstwerke über die Schulter schauen konnten. In persönlichen Gesprächen sammelte er die Geschichten der Mieter und verwob sie kunstvoll in seinen Werken. So verewigte er beispielsweise die bewegende Erzählung einer Mieterin von ihrer Amerika-Reise und einer besonderen Entdeckung in der Wüste. Jedes Stockwerk erhielt dabei seine eigene Farbwelt – von erdigen Tönen bis hin zu himmlischem Blau. Aus dem einstigen Plattenbau wurde somit nicht nur äußerlich ein Schmuckstück, sondern auch innerlich ein lebendiges Zeugnis seiner Bewohner und ihrer Geschichten.
Von den rund 9.800 Lankowern leben mehrere Tausend in Wohnungen der WGS. Sie schätzen besonders die naturnahe und dennoch zentrumsnahe Lage des Stadtteils.
Der Friedrichsthaler Wald lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein, während der Lankower See und der über eine Fußgängerbrücke erreichbare Neumühler See perfekte Orte für Wassersport und Entspannung sind. Seit 1996 entwickelt sich auch der Sportpark Lankow zum beliebten Treffpunkt für Sportbegeisterte.
Und dieser attraktive Stadtteil schreibt seine Geschichte weiter – vom beschaulichen Dorf über die sozialistische Großsiedlung bis hin zum modernen Wohnquartier, das urbanes Leben mit Naturidylle verbindet.